Post-Rock : Black Earth

Black Earth

EUR 11,95

  1. Midnight Black Earth
  2. Crimson Ways
  3. Maximum Black
  4. Vigilante Crusade
  5. Destroying Angels
  6. Grave Wisdom
  7. Constant Fear
  8. Skeletal Remains
  9. The Art Of Coffins

BLACK EARTH

ruhe, wie sie auf friedhöfen herrscht - bohren, das ist... musik, wie sie morgens um 3.00 uhr in jazzkneipen läuft - kurz bevor der letzte gast, gescheitert an dem versuch seine depressionen in billigem whiskey zu ertränken, nach hause geht um sich das leben zu nehmen, und doch wieder an seiner eigenen feigheit scheitert. musik, so langsam, schwer und erdrückend, dass nirvana s something in the way daneben wie der fröhlichste party-song wirkt. vertonte verzweiflung und hoffnungslosigkeit. doom-jazz, wenn man so will.menschen die bohren hören, haben keine freunde - zumindest nicht für die 71 minuten spieldauer der 9 stücke des neuen albums black earth, denn auch nur für einen hauch von hoffnung oder freude ist in der welt von bohren kein platz.die stücke tragen klangvolle namen wie constant fear, skeletal remains oder the art of coffins - aber wer bei diesen bewusst an horrorfilme erinnernden titeln jetzt an black- oder deathmetal denkt, wird enttäuscht. was harte bands versuchen, durch geschwindigkeit und lautstärke umzusetzen, verkehren die mühlheimer ins morbide gegenteil. die spannung liegt im warten auf den nächsten ton. die langsamkeit ist nicht langweilend, sondern verströmt eine bleierne schwere, der man sich nicht entziehen kann. der titel ist programm - black earth eben: musik gewordene dunkelheit, zermalmende stille. passend dazu das artwork - schlicht, schwarz und schön, mit einem totenkopf auf dem cover, der zu sagen scheint: dieses album verströmt ruhe, wie sie auf friedhöfen herrscht.

Bohren & der Club of Gore - Black Earth - Die fieseste und dunkelste Mucke aller Zeiten kommt nicht aus dem Black, Speed, Gothic oder Thrash -Metal Genre. Nein! Es sind vier ganz gewöhnlich ausschauende Burschen, die suizid gefährdeten Menschen den letzten Ansporn geben können, um nun wirklich den Abzug des Revolvers ganz durch zu drücken. Bohren und der Club spielen nicht irgendwas einfach definierbares. Sie spielen Lynch ianischen Slo-Mo-Barjazz mit morbider Taxi-Driver Attitude, getaucht im tiefstem Moll das die Welt jemals gehört hat. Kurz: Horror-Jazz. Anders als man es nämlich sonst von den ganz, ganz bösen dieser Welt erwartet, spielen Bohren keine schnellen Riffattacken runter und grunzen böse dazu ... ganz im Gegenteil. Keine Vocals, keine heavy Guitars, keine lauten Drums, keine Speed-Orgien... was zur Hölle bleibt dann noch? Bass, Saxophon, Klavier, akustische Gitarre etc. Die Instrumentierung entspricht also eher der einer typischen Jazz-Band und ja, im Groben sind sie das eben auch. Bohren versuchen den Hörer anders zu packen. Sie verweigern sich jedem Ansatz von Schnelligkeit, bannen jeden Moment der Hoffnung aus ihren pechschwarzen Klanggeschöpfen und zelebrieren in ihren rein instrumentalen Songs das, was vom Menschen nach einer langen Nacht mit zermürbenden Gesprächen und viel Alkohol übrig bleibt. Es entstehen bemerkenswert düstere und beklemmend, äusserst monotone Kompositionen die in ihrer Intensität kaum greifbar scheinen. So etwas wie Melodien? Ja, gibt es auch. Viel mehr orientieren sich Bohrens Gebilde im Grundstock aber an denen von Godspeed You! Black Emperor oder auch Mogwai, bei denen man einfach Musik aus einem Guss bekommt. Die eher das berühmte Kino im Kopf einschalten, mehr als Hintergrundmusik im positiven Sinne dienen, um den Zuhörer tief in seinen Gedanken versinken zu lassen. Dabei entsteht eine Bildgewalt, die selbst oben genannte Referenz-Bands in den Schatten stellt.Bei Bohren beherrschen Passagen fortwährender Stille oder sehr ruhiger Momente ganze Songs. Aber gerade diese Spannungen wirken, kann man sich auf das Konzept einlassen, unglaublich intensiv, man könnte fast schon sagen zermürbend auf die eigene Seele. Die Songs einzeln in Worte zu fassen ist quasi ein unmögliches Unterfangen. Wer antesten möchte, sollte sich an den ersten Track, Midnight Black Earth halten, welcher meiner Ansicht nach alle wichtigen Trademarks dieser Band auf den Punkt bringt. Erwähnenswert ist noch, dass Track 6 (Constant Fear) sowie 7 (Skeletal Remains) ein wenig heraus stechen, ob nun positiv oder neagtiv muss jeder für sich entscheiden, da sie im Kontext einer Bohren Komposition schon fast flott zur Sache gehen. Eine gute Sache wie ich finde, weil es beim Zuhörer doch ein wenig Erleichterung schafft. Gleich im Anschluss fährt The Art of Coffins allerdings wieder gerade wegs in den seelischen Abgrund, für manche vielleicht schon zu tief...Eine Platte die Angst macht, zumindest mir. Gefallen wird sie vermutlich nur ganz ganz wenigen Menschen. Die Platte ist stark situationsabhängig (für die gute Laune der reinste Killer). Übrigens: alle vier Mitglieder von Bohren kommen aus der ehemaligen Live Band von ... Helge Schneider.

Twin Peaks im Pott - Die Apokalypse ist rein metaphorisch - oder IST diese Platte, die Doom Jazz allererster Sahne beinhaltet, DIE Apokalypse schlechthin?! Falls ja, ist die Charakteristik des Untergangs entspannt, melancholisch und düster. Sei s drum, Fakt ist, diese Scheibe eignet sich perfekt zum eigenen inneren Film, der beim hören abläuft und der eigene Untergang, der meditativ schwelgerisch ausgemalt wird. Bilder in Blau- und Grautönen von einsamen Kohleschächten, leeren U-Bahnstationen, Friedhöfen und urbanen Straßen, selbstredend alles bei Nacht und Regen, entstehen im Geiste. Wenn im Showbiz die Scheinwerfer ausgehen und die Vorhänge fallen, wenn hinter den Kulissen der Whisky rausgeholt wird und Depression, Desperation und Desillusion aufflammen, wird Bohren & Der Club of Gore gehört. Jede Wette..

In die Tiefe - Ich bin kein typischer Jazz-Hörer, habe sonst nur ein paar Ausflüge nach St. Germain gemacht, aber Bohren und der Club sind etwas Besonderes.Durch die Instrumental-CD zieht sich die Bassline mit der Gemächtlichkeit des schlagenden Herzens eines Pottwals, der in die Tiefsee hinabsinkt. Unwillkürlich hat man beim Hören der CD auch andere Bilder vor Augen: Regen, die nächtlichen Straßen einer US-Metropole, ein Ami-Schlitten mit Haifischflossen, der durch das urbane Schwarz gleitet. Wie ein alternativer Soundtrack zu Blade Runner. Die CD ist ideal für das Alleine-Hören, schwarz und geschmeidig wie Samt, ohne zu deprimieren, eher, um den Status Quo des nächtlichen Alleineseins zu untersteichen, als Hello darkness, my old friend ... .

Fahrstuhlmusik auf hohem Niveau - Im Ruhrgebiet hat sich eine rege und sehr differenzierte Musikszene entwickelt. Neben Pop-Giganten wie Herbert Grönemeyer sind dort etliche kleine und weniger bekannte Bands zuhause, die quer durch die Genres alles spielen, wozu sie Lust haben und was im Spektrum der zeitgenössischen Musik denkbar ist.Eine davon ist Bohren und der Club of Gore. So interessant der Name der Band scheint, so ungewöhnlich wirkt die Musik beim ersten Hinhören. Die vier Musiker spielen rein instrumental auf Drums, Saxophon, Klavier, E-Piano, Mellotron und Bass. Schon die Instrumentierung zeigt, daß man mit Zeitgeist- und Trendmusik wenig am Hut hat: Das Mellotron als Urgestein der halbsynthetischen Popmusik mit seinen „Huh- und „Hah-Chorstimmen, das Fender-Rhodes-Piano als Vertreter der 70er-Avantgarde, der Rest aus der klassischen Klavierquartett-Besetzung des Bar- und Club-Jazz. Die Musik selbst ist vor allem eins: langsam. Die Harmonik und Melodieführung speist sich aus dem Cool Jazz der 50er Jahre, enthält auch Elemente, wie sie Marcus Miller (mit Miles Davis) in „Music from Siesta bis zum Überdruß repetiert hat. Alles in allem recht konventionell, ohne echte Virtuosität, aber gekonnt durchkomponiert und vorgetragen.Es wird zuweilen gelästert, Bohren und der Club of Gore habe zum langsamen Tempo gefunden, weil die Musiker ihre Instrumente nicht ausreichend beherrschten. Das halte ich für Unsinn oder einen etwas schrägen Marketing-Gag. Zumindest wird durch das extrem zögerliche Tempo eine sehr gelassene, bis fast zu Stasis beruhigte Stimmung geschaffen.Unterstützt wird das durch die Arrangements, die vor allem einen breiten Klangteppich schaffen, der ohne Höhen und Tiefen dahintreibt, kaum Melodien hervortreten läßt, sondern höchstens minimalistische Tonfolgen, die sich wiederholen, zuweilen leicht variieren und immer in den fließenden, teils wabernden Hintergrund eingebettet sind.Die Musik auf „Black Earth und auch auf „Sunset Mission, dem letzten Album der Band, wird gerne als düster, depressiv, schwarz bezeichnet. Ich kann dem nicht folgen. Sicher: Die Sache kommt langsam, ohne Schwung oder Kaprizen daher, schwelgt in Moll-Harmonien und - dank des oft dominierenden, tief gestimmten Basses - in dunklen Tiefen. Man kann das auch gut anhören, sogar konzentriert hören, und wenn man in depressiver Stimmung ist, wird einen die Musik nicht aufmuntern. Im Kern ist „Black Earth jedoch Hintergrundmusik. Sie bleibt zu sehr in den Sound als Selbstzweck verliebt und bietet durch ihre Offenheit bis hin zu Beliebigkeit natürlich einen breiten Interpretationsspielraum. Wie breit der ist, demonstriert die Band auf ihrer Website allerbestens: Der in teils haarsträubendem Deutsch verfaßte Text zu „Black Earth ist reine Vermarktungslyrik. Da ist die Rede von der „dunklen Seite der Popkultur, von „doomigsten Tiefen, dem „dichtesten Parkplatz am Fegefeuer, der „Reise in die Finsternis - alles Quatsch! Der wahre Kern dieses Promotiontextes steckt in dem Satz „Bohren werfen den Zuhoerer auf den Schrecken der eigenen Vorstellungskraft zurueck. Das ist es: Man denkt sich die Finsternis selbst zur Musik (spätestens dann, wenn man Mark Sikoras Videoclip zu „Midnight Black Earth gesehen hat). Tut man das nicht, ist es auch gut.Und was bleibt dann? Ganz einfach: Routiniert komponierte, arrangierte und eingspielte Musik ohne Innovationskraft oder höheren Anspruch. Einfach ein dichter Klanghintergrund, eben die Independent-Variante von Fahrstuhlmusik. Die Harmonik ist traditionell, Melodik nur begrenzt vorhanden, auch der Sound als solcher ist alles andere als neu - Vangelis Papathanasiou hat bereits 1973 in seinem Soundtrack zu „L apocalypse des animaux streckenweise exakt diese Instrumentierung verwendet. Bleibt das Tempo, das ist langsam. Nun ja. Ich hör s trotzdem ganz gerne ...




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